
Die Zeitschrift "Sedek" konzentriert sich ausschließlich darauf, das Bewusstsein für die Nakba – die Urkatastrophe der Palästinenser, jenes tragische Spiegelbild zur umjubelten Staatsgründung Israels, sprich Flucht und Vertreibung 1948 - im jüdisch-israelischen Diskurs zu fördern. Sedek heißt auf Hebräisch "Lücke", und stellt einen Versuch dar, eine Lücke in das luft- und lichtdichte Geflecht israelischer Verdrängung zu reißen.
Sedek ist weder ein Politmagazin noch eine historische Zeitschrift. Sie arbeitet über die indirekten Zeichen von Zerstörung: Fotos von Ruinen, die langsam überwuchert werden, ein Bild von verbranntem Holz, aus dem es langsam grünt, Texte hebräischer Dichter und Denker. Arbeiten von Künstlern, die zumeist gar nicht die Nakba thematisieren, werden so in einen Nakba-Zusammenhang gestellt. Dadurch entsteht ein neuer Kontext, und das israelische Zielpublikum erlebt seine eigene, selbstverständliche Geografie und Geschichte in einer neuen Dimension, die auch eine andere Geschichte beinhaltet. Die Lektüre ist für viele Israelis ein erstmaliges Erlebnis, und darin liegt vielleicht der Erfolg dieser etwa 150 Seiten starken, großformatigen Zeitschrift.
Seit 2007 erscheint Sedek auf Hebräisch. Drei Jahre nach der umjubelten Erstausgabe, die medico unterstützte, hat die Herausgeberin, unsere Partnerorganisation Zochrot eine Sammlung von Artikeln ins Englische übersetzt, die Praktiken, Visionen und Möglichkeiten einer Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge anregen.
Veröffentlicht von Tsafrir Cohen am 10.11.2010 | 0 Kommentare
