medico international

30.11.2007 Libanon

Vergessene Existenzen

Zur Geschichte des medico-Engagements im Libanon

Acht Millionen Palästinenser leben verstreut auf der Erde. Der Großteil von ihnen wohnt nicht im Gazastreifen und in der Westbank, dort sind es nur etwa 3,3 Millionen. Die meisten leben in der Diaspora – allein 250.000 in den USA und Kanada, 410.000 in Syrien, 300.000 in Saudi-Arabien, in Jordanien sogar 1,7 Millionen. Nach dem 2. Golfkrieg wurden 300.000 aus Kuwait ausgewiesen; im Irak lebten noch im Jahr 2003 bis zum Fall des Baath-Regime 90.000, deren Zukunft nun ungewiss ist. Von wo aus auch immer, der Blick bleibt gerichtet auf das unerreichbare Palästina.

390.000 Palästinenser leben mittlerweile in der vierten Generation im Libanon. Seit ihrer erzwungenen Flucht im Zuge der der israelischen Staatsgründung 1948 wohnen sie in Flüchtlingslagen. Äußerlich sind ihre Häuser längst keine Übergangslösung mehr, sind aus den Camps beengte Stadtviertel geworden, und doch bleiben sie für ihre Bewohner ein Provisorium. Für die heutige Generation ist Palästina weit entfernt, dennoch sprechen selbst die palästinensischen Kindergartenkinder von der "Naqba", der Katastrophe von 1948 und dem Traum der Rückkehr.

Die tiefe Problematik liegt in der Vernachlässigung der palästinensischen Flüchtlinge durch alle Gruppen, die zumindest teilweise Verantwortung für deren Situation tragen: Israelis, Libanesen, die PLO, die internationale Gemeinschaft einschließlich der Hilfsorganisationen und vielleicht selbst die Palästinenser in Westbank und Gaza, die seit drei Jahren die zweite Intifada erleben.

Palästinenser im Libanon

Die libanesische Gesellschaft hat die palästinensischen Flüchtlinge nur bedingt aufgenommen. Im Libanon haben die Palästinenser keine Bleibe gefunden. Eine dauerhafte Ansiedlung zu erlauben, würde bedeuten, das konfessionelle Gleichgewicht des Libanon zu erschüttern. Die Palästinenser bekommen keine libanesische Staatsbürgerschaft, haben aber auch keinen palästinensischen Pass. In der libanesischen Verfassung existiert ein Passus, der die Staatsbürgerrechte für Palästinenser ausdrücklich ausschließt. Im Libanon werden die Flüchtlinge vom UN-Hilfswerk UNRWA betreut. Im Zentrum politischer Verhandlungen stehen die "unspektakulären" Dauerflüchtlinge schon lange nicht mehr. So ist es kaum verwunderlich, dass auch die Hilfsorganisationen vor allem die Palästinenser in Westbank und Gazastreifen beachten, im Libanon aber selten tätig sind.

RSS-Feed

medico international