
"Es gab Momente", schreibt Luiz Alberto Mendes, "da schwebten wir in den Wolken der Poesie und der Philosophie." Die Lese- und Schreibwerkstätten, die der brasilianische Autor im Gefängnis von Iperó im April dieses Jahres durchführte, waren erfolgreich, weil es gelang, mit den Strafgefangenen der Welt der Literatur nahezukommen. An manchen Kursen nahmen 28 bis 30 Personen teil.
Bislang hat Luiz Mendes mit Unterstützung von medico 3 solcher Werkstätten a 10 Doppelstunden in verschiedenen Gefängnissen des Bundesstaates São Paulo durchgeführt. Die Kurse sind gut besucht, weil Mendes als Autor und ehemaliger Häftling, der selbst 30 Jahre lang im Gefängnis saß, für viele Insassen ein Vorbild ist. Die Arbeitsbedingungen in den Kursen sind oftmals eine Herausforderung. Manchmal findet das Treffen mit Gefangenen, die zum Teil über 10 Jahre im Gefängnis sitzen, in der Gefängniskapelle statt. Da kann man nur lesen, aber nicht schreiben.
Ein Glücksfall, so berichtet Mendes, seien die alten Gefängnisse. Dort gebe es noch richtige Klassenzimmer mit guter Belüftung und funktionierendem Schulsystem, in dem Gefängnisinsassen als Lehrer arbeiteten. In einem solchen Kontext gelingen dann auch die geistigen Höhenflüge, von denen er uns in seinem Sachbericht mitteilte.
Spendenstichwort: Brasilien
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An den Wahlurnen gelang den Farabundisten, was im Bürgerkrieg misslang: Am 1. Juni 2009 übernahm die ehemalige Guerillaorganisation FMLN (Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí) erstmalig die Präsidentschaft in dem kleinen mittelamerikanischen Land, das 20 Jahre lang von der rechtsgerichteten ARENA-Partei beherrscht wurde. Neuer Präsident wird der ehemalige Journalist Mauricio Funes. In El Salvador basiert das Wahlregister nicht auf dem Wohnortsprinzip. Wer wählen wollte, musste weite Wege auf sich nehmen.
Die ARENA investierte viel Geld in ein kostenloses Transportsystem. Hinzu kamen Bustransporte und gefälschte Papiere für Wanderarbeiter aus Nicaragua, Honduras und Guatemala, die illegal für eine Handvoll Dollar für ARENA abstimmen sollten. Aber eine selbstorganisierte Öffentlichkeit, wie man sie seit Ende des Bürgerkrieges 1992 nicht mehr erlebt hatte, stellte sich an vielen Orten dem drohenden Wahlbetrug entgegen. Der Sieg der FMLN wurde mit großer Begeisterung gefeiert. Die Straßen der Hauptstadt San Salvador waren in der Wahlnacht ein einziges rotes Fahnenmeer. Im Ministerkabinett werden fünf Frauen sein. Zwei von ihnen, die Gesundheitsministerin Maria Rodriguez und Violeta Menjívar, die stellvertretende Ministerin für öffentliche Dienste, sind langjährige Aktivistinnen des People's Health Movement. Das PHM sandte beiden ein Grußtelegramm: "Wir wissen, dass ihr euch weiter dafür einsetzen werdet, dass Gesundheit ein fundamentales Menschenrecht ist." medico freut sich mit seinen alten Mitstreiterinnen. Maria Rodriguez leitete die frühere Basisgesundheitsorganisation Pro Vida, mit der wir schon in den Zeiten der Guerilla zusammenarbeiteten. Und Hector Silva, der Chefberater von Präsident Funes in Gesundheits- und Versicherungsfragen, war lange Jahre im Vorstand unseres Partners, der salvadorianischen ProthesenWerk-statt PODES ("Du kannst").
Spendenstichwort: El Salvador
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Das Land der "Steinhäuser", wie Simbabwe in der Sprache der Shona heißt, befindet sich im Wandel. Die Cholera-Epidemie, die bis Ende letzten Jahres über 4.000 Tote forderte, scheint vorerst besiegt - zumindest bis zur nächsten Regenzeit. Die Regierungsbeteilung der bisherigen Oppositionspartei MDC von Morgan Tsvangirai, der seit dem 11. Februar 2009 Ministerpräsident des Landes ist, verändert die politische Agenda. Politische Misswirtschaft und die neoliberale Deregulierung durch IWF und Weltbank führten dazu, dass Simbabwe zuletzt neben der höchsten Inflationsrate die niedrigste Lebenserwartung der Welt besaß: 90 Prozent ohne Arbeit, die Hälfte der Bevölkerung auf Lebensmittelhilfe angewiesen, ein Fünftel Aids-infiziert und eine 10-stellige Hyperinflation. Keine andere Statistik aber drückt die Misere so drastisch aus wie die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen - sie ist auf den mittelalterlichen Wert von 34 Jahren gesunken. Der neue Gesundheitsminister Henry Madzorera versucht den Neuanfang. Für einen garantierten Monatslohn von 100 US-Dollar kommt das Personal in die Kliniken zurück und im nationalen Gesundheitsrat sitzen jetzt auch basisorientierte Gesundheitsinitiativen, wie die Community Working Group on Health (CWGH); ein medico-Partner, der auch in Zeiten der Cholera Robert Mugabe kritisierte. Mit einer Kampagne will die CWGH nun erreichen, dass das Recht auf Gesundheit endlich in die neue Verfassung aufgenommen wird.
Spendenstichwort: Simbabwe
