medico Rundschreiben 02/2008

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Bis kurz vor Redaktionsschluss warteten wir auf das Interview mit Marjorie Jobson von der Khulumani Support Group, einem langjährigen medico-Partner aus Südafrika. Die überaus aktive Selbsthilfeorganisation der Apartheid-Opfer hatte gerade eine fast schon verloren gegangene Auseinandersetzung gewonnen. Die von ihr angestrengte Klage gegen internationale Konzerne und Banken, die von der Apartheid profitierten, ist nun doch vor einem New Yorker Gericht angenommen worden. Damit stehen internationale Konzerne erstmals dafür vor dem Kadi, dass sie sich als außerhalb des Rechts stehend betrachteten. Damals missachteten sie die von den UN verhängten Sanktionen gegen Südafrika. Der Prozess könnte zum Präzedenzfall in einer Zeit werden, in der Unternehmen glauben, Gesetze im großen Stil umgehen zu können und den zynischen Spruch prägen: "Sozial ist, was Arbeit schafft." Und sei es Sklavenarbeit – möchte man in Klammern hinzufügen. Doch darum geht es in dem Interview mit Marjorie nicht. Wir haben sie zu den grausamen Morden an afrikanischen Einwanderern und den Vertreibungen in südafrikanischen Armenvierteln befragt. Es dauerte deshalb so lange, weil Marjorie präzise und nachdenklich auf unsere Fragen antwortete und keineswegs bereit war, einen oberflächlichen Blick auf das Geschehen zu werfen. Mit einfachen Erklärungen hält sie sich zurück. Man spürt ihren Antworten die tiefe Erschütterung an, die diese Ereignisse selbst bei denen ausgelöst haben, die sich so nah an den Menschen in den Townships bewegen wie die Khulumani-Gruppen. Südafrika befindet sich an einem Wendepunkt. Marjorie glaubt es braucht einen gemeindeorientierten Marshallplan, der auf die Kräfte in den Townships setzt, statt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Lesen Sie das Interview ab Seite 30. Den vollständigen Text allerdings konnten wir nicht abdrucken. Sie finden ihn auf unserer Website: www.medico.de. Nach unserer letzten Sondernummer erhalten Sie das rundschreiben wieder im gewohnten handlichen Format. Kleine Änderungen haben wir aber nichtsdestotrotz vorgenommen, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Deshalb kommt das Heft künftig etwas luftiger im Satz und dafür dicker im Umfang bei Ihnen zu Hause an. Im Gegensatz zu manchen Blattreformen, die allzu oft auf Kosten des Inhalts gehen, haben wir den Textumfang beibehalten. Kleine Ausnahmen bestätigen die Regel: Das Editorial ist kürzer geworden. Deshalb mache ich an dieser Stelle Schluss und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen Ihre Katja Maurer

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