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medico Rundschreiben 01/2008

Südafrika: Preis der Erinnerung

Projekte – Projektionen

Bewusstes Erinnern: Townshiptouren entlang der Geschichte. Foto medico

Der Saal zur Verleihung des „To Do! Preis für sozial verantwortlichen Tourismus“ ist an diesem 7. März in Berlin voll besetzt. Das Direct Action Centre for Peace and Memory aus Kapstadt erhält diesen beachteten Preis, der im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse verliehen wird. Yazir Henri, Gründer und Direktor des DACPM blickt in den vollen Saal und sieht doch leere Stühle. Dem langjährigen medico-Partner fehlen seine toten Gefährten des „Umkhonto we Sizwe“, des bewaffneten Flügels des ANC, die im militärischen Kampf gegen das Apartheidregime getötet wurden. Denn ausgezeichnet wird ein Projekt, das aus ehemaligen südafrikanischen Guerillakämpfern besteht.

Die „Touren der Erinnerung“, die das DACPM seit nunmehr 10 Jahren organisiert, verbinden eine historische Analyse der damaligen Unterdrückungsstrukturen mit einer Kritik der anhaltenden Ungleichheit der Post-Apartheidära. Damit setzen die Aktiven auch ein Zeichen gegen die touristischen Townshiptouren, die in ihrer Distanz zu den Bewohnern oft den Charakter eines „Zoo-Effektes“ haben. Zugleich bieten die Touren den ehemaligen Kämpfern einen Weg zurück in das zivile Leben. „Das DACPM arbeitet in übergeordneten, soziokulturellen Themenfeldern und spielt dabei eine äußerst wichtige, wirtschaftliche wie auch identitätsstiftende Rolle“, so der Studienkreis für Tourismus/Entwicklung in seiner Preisbegründung. „Wir überschreiten historische und geographische Grenzen“, sagt Yazir Henri, „aber wir verbinden auch die traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit mit der Fortexistenz von Trauma und Gewalt in der Gegenwart. Das gibt uns den sozialen Respekt zurück, und wir können plötzlich sehen, dass wir wieder Geschichte machen.“

Spendenstichwort: Südafrika

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