
In der ersten Juniwoche wird es eng werden im Luxushotel Kempinski an der Ostsee. Schleppnetze im Meer und ein Zaun rund um das Seebad Heiligendamm werden die informelle Weltregierung der G8 von den Zehntausenden trennen, die gegen dieses Treffen protestieren. medico ist Teil des großen Protestbündnisses. Auf beiden Seiten laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren. Im Dezember war medico Mitinitiator einer Konferenz zum Geistigen Eigentum in Berlin, und am 27. Februar diskutierten wir mit Attac, der IG Metall und dem Netzwerk kein mensch ist illegal in Frankfurt "Perspektiven einer anderen Globalisierung: Globale Soziale Rechte". Die lebendige Debatte überzeugte die 120 Teilnehmer, dass ihre unterschiedlichen und in Teilen auch widersprüchlichen Anliegen im Streit für Globale Soziale Rechte einen Brennpunkt finden, der sie nicht nur auf dem Weg nach Heiligendamm zusammenführen wird. Fortsetzung folgt!
Dem Hollywood-Blockbuster zu Konfliktdiamanten mit Leonardo di Caprio hatte medico Ende Januar ein unerwartetes Medieninteresse zu verdanken. Als sei die Katastrophe des weltweiten Handels mit Rohdiamanten zur Finanzierung von Bürgerkriegen gerade erst passiert, standen die Telefone bei medico nicht still. Die zuständige medico-Campaignerin Anne Jung, die sich mit dem Thema seit 6 Jahren beschäftigt, musste über schwierige Telefonverbindungen vom Weltsozialforum in Nairobi aus die politischen Hintergründe des Filmes erklären. Seriöse Medienberichte kamen dabei zustande, die auch bei medico-Partnern in Sierra Leone und Angola recherchiert wurden. Eine pfiffige Idee am Rande kam von zwei zu Witzen aufgelegten Rundfunkmoderatoren in Potsdam. Als Resümee eines Interviews mit medico schlugen sie vor, der Liebsten eine Kette aus Legosteinen zu schenken, solange es keine fair geförderten und gehandelten Diamanten zu kaufen gebe.
Die im Aktionsbündnis Landmine.de zusammengeschlossenen Organisationen, darunter auch medico international, kritisieren die Ergebnisse der Osloer Konferenz zu Streumunition. Die Konferenz, die Ende Februar unter Beteiligung von 49 Staaten stattfand, hatte grundsätzlich Bereitschaft zur Verhandlung über eine Einschränkung von Clustermunition signalisiert. Das Aktionsbündnis jedoch befürchtet, dass sich die angedachten Export- und Produktionsverbote ausschließlich auf veraltete Produkte beziehen könnten. Ein totales Verbot von Clustermunition wurde vom Vorsitzenden der Konferenz, dem norwegischen Botschafter Kongstad, ohnehin ausgeschlossen. Viele Staaten, so das Aktionsbündnis, teilten darüber hinaus die Auffassung Deutschlands, dass Streumunition mit einer geringeren Blindgängerrate akzeptabel sei. Streumunition und Streubomben gehören zu den Waffen, die während der aus der Luft geführten Kriege in Afghanistan und Irak von den USA und im Libanon von Israel großflächig eingesetzt wurden. Neben ihrer verheerenden direkten Wirkung sorgen sie aufgrund der hohen Blindgängerquote (in manchen Regionen bis zu 30 Prozent) auch nach dem Ende der kriegerischen Interventionen für Opfer unter der Zivilbevölkerung und führen ähnlich wie die Mine dazu, dass ganze Landstriche zu No-Go-Areas werden.
