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medico Rundschreiben 03/2007

Projekte – Projektionen

Bangladesch - Überleben unter Wasser

Setzt sich die Klimakatastrophe fort, wird Bangladesch am Ende des Jahrhunderts zu einem Drittel überflutet sein. Foto: Gonoshastaya Kendra

Bangladesch wurde in diesem Sommer, zeitgleich zum fünften Jahrestag der Oderflut, von den schwersten Überschwemmungen der letzten 16 Jahre heimgesucht. Die Bilanz: 450 Menschen starben, Straßen und Eisenbahnlinien sind bis heute unterbrochen, fünf Millionen Menschen sind obdachlos. Mediziner und Behörden befürchten einen weiteren Anstieg der Krankheits- und Todesfälle, weil sich durch verseuchtes Flusswasser Infektionen ausbreiten. Noch immer stehen durch den einsetzenden Monsun 30 Prozent der Landmasse unter Wasser. Und es fehlt an allem: Reis, Kindernahrung, Hygiene-Artikel. Mit Hilfe des medico-Nothilfefonds konnte unser lokaler Partner Gonoshasthaya Kendra (GK) seine Katastrophenhilfe ausdehnen. Aktuell sind 21 medizinische Teams in 17 Distrikten im Einsatz. Sie leisten medizinische Versorgung und verteilen Nahrungsmittel. Jedes Team behandelt pro Tag 300 bis 500 Patienten. Zusätzlich sollen nun auch Baumaterial zur Reparatur der Häuser, Saatgut für die Bauern oder Tiernahrung bereitgestellt werden. Ohne Tiernahrung sind besonders die Armen gezwungen, ihr Vieh weit unter Wert zu verkaufen um sich z.B. Trinkwasser kaufen zu können.

Bangladesch erlebt die Boten des "global warming". Gemeinsam mit den Malediven und etlichen pazifischen Inseln droht es zu verschwinden: Unser Atlantis des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Gonoshastaya Kendra kann die Katastrophe allein nicht aufhalten. Sie gehört aber zu den großen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Bangladesh, die das Potential zur Aufklärung und zum Widerstand haben.

Projektinfos: Bangladesch / Spendenstichwort: Bangladesch

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Kenia - United Colours of Health

In den armgehaltenden Ländern des Südens, besonders in den afrikanischen, ist für die Bevölkerungsmehrheit der Zugang zu kostengünstigen Arzneimitteln aufgrund unzureichender öffentlicher Gesundheitssysteme und unregulierter privater Arzneimittelmärkte tödlich verknappt. In cleverer Weise nutzt die Sustainable Healthcare Foundation in Kenia dagegen die neoliberalen Marktmechanismen durch ein landesweites Netzwerk von Volksapotheken, die einen bezahlbaren Zugang zu Arzneimitteln sicherstellen. Nach dem gleichen Franchise-System des weltumspannenden italienischen Pulloverproduzenten organisieren lokale Betreiber "Child and Family Wellness Shops" (Kind- und Familiengesundheitsläden). Das Marketing, die Qualitätssicherung, die Lieferung der Medikamente und medizinischer Geräte sind mit der Sustainable Healtcare Foundation vertraglich vereinbart. Das Angebot reicht von Mutter-Kind-Kliniken mit ausgebildeten Krankenschwestern bis hin zu klassischen Apotheken. Das Personal bekommt ein Grundtraining im Umgang mit Medikamenten, dem Bestellsystem und mit Patienten. Die Shops bieten nicht nur kostengünstige Medikamente an, sondern auch lebenswichtige Präventions-Artikel, wie etwa Kondome, insektizid-behandelte Bettnetze (gegen Malaria) und Wasserdesinfektionstabletten. Ziel der Klinikapotheken ist ein landesweites preiswertes Arzneimittelangebot in lokaler Verankerung. Denn Gesundheit ist ein Grundrecht – auch für Arme.

Spendenstichwort: Gesundheit

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Türkei - Der stille Kampf

Das Machtzentrum in der Türkei beginnt sich langsam zu verschieben. Lautstark versuchte eine schlagende Verbindung aus Stahlhelmdemokraten und Militärs ihr Zugriffsrecht auf das Amt des Staatspräsidenten zu sichern. Dreimal wurde der Kandidat Abdullah Gül im Parlament boykottiert, erst ein erneuter Erdrutschsieg seiner AKP-Volkspartei bei Neuwahlen ermöglichte seine Ernennung zum ersten Staatspräsidenten der Türkei, der nicht der kemalistischen Staatsbürokratie entstammt. Neu im Parlament vertreten sind auch kurdische Parlamentarier, die für die Demokratisierung des autoritären Staatsverständnisses in Ankara einstehen. Dazu gehört für Muteber Ögreten, die Koordinatorin der Kampagne "Mayinsiz Bir Türkiye" (Für eine minenfreie Türkei) auch die Landminenproblematik in der Türkei. Über zwei Jahre recherchierten Menschenrechtsaktivisten und Studenten in deren Auftrag in kurdischen Provinzen, besuchten abgelegene Dörfer, sprachen mit Minenopfern und erstellten so eine erste Landkarte der tödlichen Altlasten des Krieges im Südosten. Dies alles geschah bewusst fernab der Öffentlichkeit, konnten doch Gemeindevertreter in den ehemaligen Ausnahmezustandsprovinzen nur unter Umgehung lokaler Militärkommandeure befragt werden. Nun aber finden sich die ermittelten Daten der Menschenrechtler nicht nur auf der weltweit abrufbaren Webseite der internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen, sondern sie sind auch ein weiteres Argument für den Kampf um die Rechte und gesellschaftliche Anerkennung kurdischer Kriegsopfer. Der Weg der Türkei nach Europa führt über Diyarbakir.

Projektinfos: Türkei / Spendenstichwort: Kurdistan

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