
Die ersten Elemente des "Virtuellen Minenfeldes" sind bei den Spendern eingetroffen
Als wir im Herbst 2004 die Aktion "600 x Bewegung schaffen" starteten und vorschlugen, virtuelle Minenräumteams zu bilden, wussten wir selbst keine Antwort darauf, was denn diese Teams mit ihren gemeinsam erstandenen Werken anfangen sollten. Unseren Mangel an Phantasie haben die Unterstützerinnen und Unterstützer der Aktion längst wettgemacht. Per E-Mail erhalten wir nun die ersten, von uns erbetenen Rückmeldungen darüber, was mit den Segmenten geschehen ist. Minenräumteam "Ginnheim" hängt sein Element ins evangelische Gemeindehaus. Grüße bekommen wir vom Team "No go No go". Das Bodenelement hängt im Warteraum des Elisabethenkrankenhauses in Lörrach. Im Eingangsbereich der Agentur "Design und Distribution" liegt ein Element als Bestandteil einer neuen Installation. Das Team "Loretto" aus Tübingen hat bereits drei Elemente geräumt. Nun suchen sie einen öffentlichen Ort, an dem sie die Elemente ausstellen können, um von dort aus für weitere Bodenplatten zu sammeln. Wovon könnte man noch berichten? Von "Tante Hedwigs" Räumparty, nachdem endlich das Geld für ein Element zusammen war? Von der Schule in Dillenburg, die so erfolgreich sammelte, dass sie nun auf jeden Fall weitermachen will? Von Osnabrück, wo im Sommer wieder eine große Ausstellung des "Virtuellen Minenfeldes" stattfinden soll? Es ist etwas in Bewegung geraten. Wir werden weiter darüber berichten. Wir bitten alle, die ihr Element erhalten haben, auf diesem Weg noch einmal um Fotos und Rückmeldung. Wer mehr erfahren will: Abonnieren Sie den "Bewegungsmelder", per E-Mail an bewegungsmelder@medico.de, der Sie regelmäßig über "600 x Bewegung schaffen" auf dem laufenden hält.
Eine zwiespältige Bilanz der Tsunami-Hilfe
Nach dem Tsunami beherrschten die Bilder der Verwüstung Titelseiten und Nachrichtensendungen. Wenige Wochen später schon wurde es still um die traurigen Tropen. Man kennt die Szenen, kennt die Zahlen, vergisst die seltsam klingenden Namen.
Wir reisten im Januar 2005 zum ersten Mal nach Sri Lanka und trafen in Mullaittivu, Batticaloa, Colombo und Moratuwa unsere heutigen Partner von SEED und MONLAR. Auch in Absprache mit ihnen kehrten wir im Dezember 2005 auf die Insel zurück, diesmal in Begleitung von fünf unabhängigen Expertinnen und Experten, die wir zusammen mit Brot für die Welt und in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung mit einer Fact Finding Mission beauftragt hatten. Der Mission gehörten Claudia v. Braunmühl und Reinhardt Bolz aus Deutschland, Kath Noble aus Großbritannien sowie Shreen Saroor und Linus Jayatilake an, die selbst auf Sri Lanka leben. Fünfzehn Tage fuhren wir durchs Land, besuchten die Lager der Überlebenden des Tsunami und des Krieges, trafen Mitarbeiter von NGOs, Wissenschaftler, Regierungsbeamte.
Nadarajah, Wiederaufbaukoordinator in Trincomalee, brachte auf den Punkt, was wir überall hörten: Ihm fehlen die Mittel und das Wissen, um zu tun, was nötig wäre. Die Regierung informiert ihn nicht, die internationalen NGOs informieren ihn nicht. Dafür werben sie ihm die Mitarbeiter ab, mit Gehältern in fünffacher Höhe. Er verantwortet ein Programm, in dem 6.400 neue Häuser gebaut werden sollen, ganze 300 werden zum Jahrestag fertig sein. Es fehlt an Land, das besiedelt werden könnte, und die Rückkehr an den Strand verbietet ein Regierungsdekret. Einige der Vertriebenen tun das trotzdem, Nadarajah weiß davon. Er sagt, dass das keine Lösung ist, und dass sie trotzdem recht haben, auf eigene Faust zu handeln.
Die Ergebnisse der Fact Finding Mission werden wir der deutschen und der srilankischen Öffentlichkeit vorlegen. Noch im Dezember hielten wir mit Brot für die Welt und der Heinrich-Böll-Stiftung eine gut besuchte Pressekonferenz in BerIin ab. Im April 2006 wird unser Bericht hier und in Sri Lanka veröffentlicht, im selben Monat wird, ebenfalls in Berlin, eine Fachkonferenz stattfinden, auf der wir unsere kritische Bilanz Entwicklungspolitikern, Wissenschaftlern und anderen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen präsentieren. Nähere Informationen in unserem Tsunami-Watch.
