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medico Rundschreiben 01/2006

Für eine andere Forschung und Entwicklung von Medikamenten

** 280 Wissenschaftler aus 50 Ländern, darunter mehrere Nobelpreisträger, haben sich in einem Brief an die Weltgesundheitsorganisation gewandt, die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente so zu organisieren, dass die sogenannten Armutskrankheiten entsprechend ihrer Bedeutung für die globale Gesundheitsvorsorge berücksichtigt werden.** Nobelpreisträger Sir John Sulston trug den Aufruf bei der Vorstandssitzung der WHO vor und verwies dabei auf seine guten Erfahrungen mit freiem Zugang zu Wissen beim Human Genom Projekt. Diese hätten ihn davon überzeugt, dass "unsere Verantwortung für die globale Gesundheitsvorsorge eine größere Verpflichtung gegenüber dem öffentlichen Wohl bedeutet". Es folgen Auszüge aus dem Wissenschaftler-Aufruf:

Als Wissenschaftler, von denen viele in Bereichen der Biomedizin arbeiten, möchten wir hiermit die Resolution unterstützen, die die Kenianische Republik zur 117. Vorstandssitzung der WHO am 23. Januar 2006 eingereicht hat.

Obwohl wir aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen kommen, sind wir sehr besorgt darüber, dass die Unterstützung biomedizinischer Forschung und deren Umsetzung in eine weltweit verbesserte öffentliche Gesundheitsvorsorge deutliche Mängel aufweisen. Was die Forschung betrifft, gäbe es viele Möglichkeiten, Medikamente etwa für vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln. Es fehlt jedoch eine dauerhafte Unterstützung für Forschung und Entwicklung von Medikamenten und Behandlungsmethoden. Was die Behandlung solcher Krankheiten betrifft sehen wir, dass eigentlich in allen Gesundheitssystemen der Welt die Versorgung mit bezahlbaren Medikamenten mehr oder weniger große Probleme aufwirft.

Auch wenn immense Fortschritte in der Grundlagenforschung gemacht und mehr finanzielle Mittel denn je für biomedizinische Forschung und Entwicklung aufgewendet werden, sind wir zutiefst darüber besorgt, ob die vorhandenen Mechanismen in der Lage sind, dies in eine weltweit verbesserte Gesundheitsversorgung umzusetzen. Beim Human Genom Projekt haben wir festgestellt, wie wichtig es war, dass die Genom-Sequenzen frei verfügbar waren. Im Gegensatz dazu erleben wir, dass viele Forschungsaktivitäten durch gesetzliche Beschränkungen, wie etwa die geistigen Eigentumsrechte, zunehmend erschwert werden. Das kann den freien Datenaustausch beeinträchtigen und den Fortschritt in der biomedizinischen Forschung aufhalten. So wie derzeit Forschung und Entwicklung organisiert sind, stehen aus unserer Sicht medizinische Notwendigkeiten und Ressourcen-Verteilung in keinem ausgewogenen Verhältnis. Den vernachlässigten Krankheiten, der Entwicklung von Impfstoffen und von Ersatz-Antibiotika wird im Vergleich zu deren möglichen Folgen für die globale öffentliche Gesundheitsvorsorge viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Die Resolution behandelt all diese Fragen sehr ausgewogen. So will sie beispielsweise keineswegs die Nutzung von Patenten abschaffen, die einen starken Anreiz für kommerzielle Innovationen darstellt, sondern erlaubt, dass parallel dazu andere Anreizsysteme angewendet und im Rahmen der Handelsgesetze in Betracht gezogen werden. Sie macht außerdem Vorschläge für die langfristige Lösung der Probleme einer nachhaltigen Finanzierung, Schwerpunktsetzung und des Zugangs.

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